Geteiltes Leiden

Früher

Während Olaf (der hier auch schreibt) ungefähr 1981 in der Gruppe cot gespielt hat (zunächst ohne instrumentale oder stimmliche Fähigkeiten und ohne im Grunde etwas zu sagen zu haben (oder das zu sagen zu habende ausdrücken zu können), begann L. in der Kapelle Brigitte Schmidt und Band unter dem Leading von Hermann Kesten, der jetzt bei den Adventisten seinen Seelenfrieden gefunden hat, während die andern noch im Leben stehen.
1987 entstand dann die Band ohne Namen, in der L. und Olaf zum ersten Mal gemeinsam in Erscheinung traten. Außerdem dabei waren Holger, Anja, Christian, Marino, und Michael Rohde: sieben Leute mit völlig unterschiedlichen Musikgeschmäckern. Wir hatten ein paar geile Stücke in einer Zeit, die für manche von uns so wichtig war wie jede andere auch, für andere wichtiger (ich nenne hier keine weiteren Namen).
Nach einem einzigen Auftritt bei Christian Sperling (wo im Vorprogramm auch cot auftrat) zerfaserte die Band (oder hing es auch damit zusammen, dass wir nicht mehr in diesen stinkenden Disco-Keller zum Proben durften?).

Etwas später

Die nächste Band waren die Simple Versions, bestehend aus Marino, L. und Olaf. Wir haben Covers und ein paar eigene Stücke gespielt und sind auf dem Antigrenzübergangscamp Schichauweg aufgetreten, sehr zum Unbill der Lauberpieper, die wir eigentlich verteidigten. Dann gab es noch einen Auftritt im Keller von Achim, wo seine Oma mit einer Flasche runterkam und sich drohend gebärdete.

Dann kam Senffnes Fesnet, denen ein eigenes kleines Kapitel gewidmet ist.

Die nächste und eigentlich ein gutes Stück wesentlichere Band war Einfachleiden, in der Nick am Schlagzeug, L. und Olaf mitspielten, letztere abwechselnd an Gitarre und Bass und Gesang. Es gab tolle Stücke, und sie hatten was mit uns zu tun. Die Band ging (wie soll ich sagen) wegen innerer Probleme auseinander.

Ein erster Ableger, der nur aus L. und Olaf bestand, war 2/3-Leiden (der fehlende Nick kommt hierin zum Ausdruck) mit ein paar für die Montagsbar aufgenommenen Stücken. Dass das Leben sich so läppert und wir alle unsere Jobs machen und in Kneipen unsere Biere trinken und bereits eine umfassende Philosophie entwickelt ist, erscheint als Phänomen: seltsam, dass nicht mehr aus diesen tollen Menschen heraus entsteht. Jedes Aufstehen am Morgen ist wie das Erheben nach einer verlorenen Schlacht.

Wir haben uns soviel vorgenommen

Es ist wichtig, das Lebensgefühl zu erahnen, aus dem dieser neue Versuch einer Musik entsteht: es hat ein wenig von "Nichts passiert, schon seit immer", ein wenig von "Was ist wesentlich?", ein wenig von "Intensität und Kommunikation" und viel von dem schlichten Fakt, dass alles bereits gesagt scheint. Die wenigen, die noch neues finden, tun es ohne uns.
Hier sitzen wir also, nicht besonders emotional, in unterschiedlichen Lebenssituationen (Olaf etwas etablierter als L., äußerlich und vielleicht auch innerlich, vielleicht nicht so desperat), aber vor derselben Welt (die nur das ist, als was wir sie sehen, die wir aber irgendwie richtig sehen). Ambitionen lodern auf niedrigem Niveau, und es gibt kein Werkzeug, sie anzufachen. Instinktiv vermuten Menschen, dass für einen kreativen Ausdruck Inspiration und Kraft nötig sind oder wenigstens die Fähigkeit, aus einem (großen) Schmerz eine Kraft zu machen; aber wenn die beiden ersten nicht da sind und der dritte nicht gefühlt wird (es sind unsere Gehirne und unsere psychoanalytische Wahrheit, die uns vermuten lassen, dass wir dies fühlen müssten), haben wir keine Chance.
Und genau vor diesem Hintergrund versuchen wir es wieder, wie alte Herren, die nochmal eine Reise machen (vielleicht habe ich hier etwas übertrieben).
Wir setzen uns also hin, vor Keyboard und Computer (weil wir schon lange keinen Übungsraum mehr haben) und beginnen mit dem, was gerade da ist - und wenn es NICHTS ist! Das ist das Projekt "Geteiltes Leiden", jedenfalls aus der Sicht von

Olaf


Vielleicht erscheinen hier bald ein paar Texte und Projektberichte, vielleicht aber auch nicht.


Doch, hier kommt was...

Es ist jedes Mal schlimm

Wenn wir uns so treffen und die Instrumente in die Hand nehmen (nachdem wir zwei Stunden in der Küche saßen und vielleicht auch noch spazieren waren), reproduzieren wir uns in Form von Müll oder Kick. Perfekt wird es nie, aber daneben gehen tun Stücke des öfteren (soviel zur Symmetrie in Kosmos und Vorstellung - kaum was hat sich so tief verankert wie dieser falsche Gedanke). Wenn "es" dann klappt, kann es sich geil anfühlen, durchaus vergleichbar mit einem Übungsraumfeeling. Da wir, anders als früher, beim Spielen nicht mehr bekifft sind (jedenfalls meistens), hören sich auch die Kassettenaufnahmen am nächsten Tag noch ganz ordentlich an.
Viele der Aufnahmen "haben etwas". Die langsame Variante von "Endlich geheilt" "hat etwas", die schnelle auch, die repititive ebenso wie die durchkomponierte. Wir haben Technik, also brauchen wir uns nicht für eine Version zu entscheiden (sondern planen in eine nicht und vielleicht niemals existente Zukunft hinein, Maxiversionen und Life-CDs zu machen und sie alle mit verschiedenen Stücken zu befrachten. Eines Tages mag es auch mal die eine oder andere Anthologie geben, und unsere schlechten Tapes sind so schön wie die nicht von Phil Spector versauten Let-it-be-Versionen der Beatles). Wir hören unsere Aufnahmen durch und finden viele gute Stellen (unabhängig davon, ob das ganze Stück stimmt oder nicht). Zuweilen können wir eine reproduzieren (in- oder exklusive ihrer Energie) und in die Arbeitsversion des Stückes einbauen. Die meisten "guten Stellen" entgleiten aber irgendwie oder geraten in Vergessenheit, weil wir die Bänder zwar aufheben, aber nicht ständig durchhören.
Was auch schlimm ist, ist der Zeitmangel erwachsener Menschen (der natürlich nur vorgeschoben ist: in Wirklichkeit...). Und der Stress: Existenz aufbauen oder pflegen (wir können auch sagen: Kohle ranschaffen für das Nötige (wie Bio-Essen, Gas und die Müllabfuhr) und den Luxus (Wein, Reisen, Kino)). Ich komme also nach Hause oder bin den ganzen Tag da und mit L. verabredet, und eigentlich bin ich völlig fertig. Das kommt vor, ist aber kein Hinderungsgrund. Alles was ich dazu denke und sagen will ist, dass es ganz schön merkwürdig ist, dass wir früher, so in den frühen Zwanzigern, so viel Zeit hatten und verplempert haben.
 
Eigentlich wollte ich gar nicht labern und bin müde, aber ich habe ein paar Fotos, die sollen hier rein:
L. kommt L. kommt
 
Ich am Bass Ich am Bass

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