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Die Fragen die wir damals hatten

Fragmente einer Zeit

Damals, als ausgedrückter Eiter gegen den Spiegel klatschte, hatten wir Fragen, die niemals öffentlich beantwortet wurden; zum Beispiel:
Haben wir einen freien Willen? Oder (ha ha ha ha) ist alles determiniert und vorherbestimmt? Was haben wir darauf gehofft! Schulisch indoktriniert sammelten wir "Argumente für einen freien Willen", weil sich ohne diesen nicht zu leben lohnte; und die stärkste Antwort, die wir bis heute gefunden haben ist die, dass die Frage falsch gestellt sei: oder dass es falsch sei, die Frage überhaupt zu stellen. Wie können wir leben? und warum?
Moleschott meinte dazu schlicht: Ein freier Wille, eine Willenstat, die unabhängig wäre von der Summe der Einflüsse, die in jedem einzelnen Augenblicke den Menschen bestimmen und auch dem Mächtigen seine Schranken setzen, besteht nicht. Und ich: ich weiß es immer noch nicht, aber in meinem Leben gibt es zu viele Probleme (jedenfalls von meiner Warte aus), als dass ich mich noch damit beschäftigen würde in der Form, in der diese Frage damals gestellt wurde. Dennoch interessiert mich, was daraus geworden ist? Wie konnten die wesentlichen Elemente der Zeit verschwinden, oder wenn nicht, in was wurden sie transformiert?
Und warum?


os, 1992