Chinarestaurants in China

Und was es so gab

Aus Thailand kommen, dem kulinarischen Frankreich Asiens, liegt die Latte hoch: da Essen mein natürlichstes und fundamentalstes Interesse ist (tiefer noch als die Frage nach der angeblichen Entstehung des Universums aus dem Nichts, was aber auch wichtig ist), war ich auf meiner ersten und Evas zweiter Chinareise gespannt, was die eine Milliarde Leute einem so serviert. Der erste Eindruck war gründlich enttäuschend (vorher gab es also eine Täuschung): während man in Thailand beinahe an jedem Straßenstand (solange er nicht bemüht ist, sich touristischen Idealen anzupassen) eindrucksvolle Speisen serviert bekommt, wirkte das kulinarische China eher wie der müde Versuch, frische Zutaten statt (wie bei uns) mit Wasser mit Öl zu verkochen. Es schien Methode zu sein, die Menge des verwendeten Öls Yin-Yang-mäßig der Menge der verwendeten tierischen Fette anzupassen, so dass eine eindruckvolle Balance entsteht. Gewürze und Gemüse wurden nur soweit verwendet, wie sie dieses empfindliche Gleichgewicht nicht störten. Eine Handvoll Zucker und eine Prise Natriumglutamat rundeten die Speise ab.

Das war der erste Eindruck, der noch getoppt wurde von dem Erlebnis, Japanisch essen zu gehen und den Unterschied zu spüren, oder Koreanisch. Später aber wurde es ganz anders (wobei ich heute, an meinem ersten Tag in Bangkok, wo ich dies schreibe, bei den ersten Bissen grünem Curry, Fischkuchen und Rindfleischsalat, wieder weiß, wo meine kulinarische Heimat liegt)...

Doch beginnen wir von vorne. Unser erstes Essen in einem Restaurant in einer kleinen Nebenstraße in der Nähe des Bund in Shanghai. Schon etwas gehobene Klasse (d.h. fast 10 EUR für zwei Personen).

Abb. links: In ziemlich viel Teig eingebackenes Schweinefleisch mit roter Sauce. Nicht übel. Aber auch nicht toll. War der erste Gang und hätte gereicht. Wussten wir aber nicht.

Abb. unten: Deswegen gab es zum ordentlichen Tee (wirklich ordentlich) und zum ordentlichen Bier (auch ordentlich) Ente mit Tofu und Spuren von Gemüse. Nicht schlecht. Enten haben offensichtlich viel Fett (was aber, wie wir gelernt haben, sauber von dem verwendeten Öl kompensiert wurde).

Zwischendurch in einem modernen Café nahmen wir so eine (in Evas Fall zwei) Art Kuchen mit Chrysanthementee zu uns. Auch wenn die ChinesInnen gerne behaupten, die Erfinder von allem möglichen zu sein (Porzellan, Dynamit, etc.), wird niemand legitimer Weise den Verdacht hegen mögen, dass dies auch für Süßspeisen gilt.

Kommen wir zu der Shanghaier Spezialität: Dumplings (die Schwaben sagen "Maultaschen" [oder gar "Maultäschele"?!], sogar die, die Trainingsjacken anziehen, Kassengestell besorgen und dann ab nach Berlin, Medienwissenschaften studierele und abends im Café Burger abhängen). Hefeteig gefüllt mit was (manchmal möchte man wissen was, manchmal überhaupt nicht), dann gedämpft. Die kommen schon gut rüber, teilweise gar köstlich (Abb. unten).



Besagtes Sushi, und wir waren zu Hause. Spitze.


Im KaDeWe Shanghais in der Fremdwarenabteilung gab es Haribo, was wir nicht kauften. Die Deko ist voll DDR.


Unten im "Haus des Essens" (so heißt das übersetzt von der dort ansässigen Sprache) gab und gibt es Tees:


Und man konnte, wenn man wollte, jede Menge anderes Zeug kaufen:


Farblich wie aus einem 50er-Jahre-Kochbuch, hatte das All-you-can't-eat-Buffet in unserem Hotel schon einiges zu bieten. Für 20 Yuan konnten wir zuschlagen, was viel scheint, wenn man bedenkt, dass es dafür auch zwei DVDs mit aktuellen Hollywoodfilmen gegeben hätte, aber wenig, wenn man sich klarmacht, dass es trotzdem nur 2,20 EUR sind.



Unglaublicher Fall, aber es gab tatsächlich ausgezeichnete chinesische Weine:


Dann passierte das erste Essen mit Chinesen, jenen, die mit Eva einen Workshop gemacht hatten, und das war nicht von schlechten Eltern, Großerltern, Großonkels- und tanten und dem im selben Haus wohnenden Rest der Sippschaft (und die Menge war obelixlike). Pekingente und viel viel mehr, und nebenbei ist das Bild ein Zeugnis dafür, was man alles mit Schlagschatten machen kann.


Dann, schon in Nanjing, waren wir mal wieder (wie zuletzt in Bangkok) Koreanisch essen. Das ist so ein Topf mit Fisch, Muscheln, Fleisch und Gemüse und gut scharf. Die Muscheln starben langsam in dem wärmer werdenden Sud, was mich in der Gewissheit bestärkte, dass die Menschheit ausgerottet werden muss.


Beijing: ziemlich cool der Mongolische Hotpot mit Sachen zum selber Reinwerfen


Irgendwann fanden wir dann "unser" Restaurant, das wirklich klasse war (allerdings, wie sich später herausstellte, taiwanesisch mit einer Chefin, die 30 Jahre in USA war, wo sie wahrscheinlich nicht gerade kochen gelernt hat, aber vielleicht freunlichen Service - wobei mir grade einfällt, dass der Mittelweg zwischen der affig-oberflächlichen Freundlichkeit der Amis und der, sagen wir Robustheit der Chinesen eigentlich golden ist). Da waren wir dann quasi jeden Tag und haben uns durch die verschiedenen Stile gefressen. Im Gegensatz zu vielen anderen Orten hatte die Küchencrew wirklich Interesse an dem Ergebnis ihrer Arbeit. Und sie hatten Gemüsegerichte und nicht nur Schweinebauch.



Sushiloses, aber japanisches Schnellrestaurant: gut

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